Toni Erdmann
"Hmm, wars das jetzt"-Gefühl. Es war wahrscheinlich ein klassischer Fall, von viel zu hohen Erwartungen, die der Film schlussendlich nicht erfüllen konnte - einmal aufgrund langen Spieldauer und zudem aufgrund des etwas seltsamen Humors. Aber wenn etwas hängengeblieben ist, dann ist es, dass ich froh bin, niemals in eine Unternehmensberatung gegangen zu sein.
Acting
Directing
Script
Cinematography
Timeless
The Good
  • Realistischer Film über die Familenprobleme von heute
  • Sympathische (wenn auch schräge) Hauptdarsteller
  • Ruhiger und unaufgeregter Film
The Bad
  • Zuweilen etwas zu schräg
  • Leider eine Spur zu lang
4.0Overall Score
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Heute ist es an der Zeit, meinen ersten deutschen Blogpost auf erwinreviews zu schreiben – und ich dachte mir: deutscher Film, deutscher Post. Im Vorfeld wurde viel geschrieben über den deutschen Beitrag zu den Oscars – daher war ich natürlich sehr neugierig und konnte mir Toni Erdman nicht entgehen lassen; ein kömodiantisches Familiendrama über eine Vater-Tochter Geschichte der etwas anderen Art.

Ich habe vielleicht in den letzten Jahren zu viele US-amerikanische Produktionen gesehen, und habe das Gefühl für deutsche Filme “verloren”, daher ist meine Kritik vielleicht nicht ganz passend. Während ich den Film mit meiner Frau anschaute, dachte ich mir oftmals – das ist jetzt einfach echt schräg, aber nicht wirklich lustig. Und über die recht lange Spieldauer des Films von 162 Minuten schaffte der Film es nur manchmal zu mir den Funke überspringen zu lassen – ich kann nicht so richtig festmachen, ob es daran lag, dass ich die Schauspieler nicht so recht “lieben gelernt” habe oder ob es mir einfach schwer fiel den Film auf mich wirken zu lassen.

tonierdmannWas mir tatsächlich sehr gut gefallen hat, war die Message des Films und wie sie insbesondere von Ines transportiert wird. Der Film schafft es wirklich hervorragend das Leben eines Expats widerzuspiegeln – Ines lebt eigentlich in den feuchten Träumen eines jeden BWL Absolvents; Karriere als Beraterin für ein internationales Projekt mit Aussicht auf größere Engagements im asiatischen Ausland. Dazu das “coole” Nightlife von Bukarest und eine tolle Wohnung mitten in der Stadt. Es erinnerte mich sehr stark an meine Praktikumszeit im Ausland (wenn auch dort, das Arbeiten nicht zwingend im Mittelpunkt stand). Wenn da nicht nur diese andere “Leere” wäre, das Leben besteht eigentlich nur aus Arbeit und man weiß eigentlich gar nicht, was danach kommen soll. Diese Leere will nun der liebevolle Papa mit seinem Besuch und den damit verbundenen schrägen komischen Einlagen brechen. Winfried spielt einen romantischen Alt-68er, der nicht so ganz verstehen kann und will, wie seine Tochter lebt und wie wenig Spaß am Leben sie hat. Seine Transformation in den Karrierecoach Toni Erdman, die von Ines nur zögerlich angenommen wird, soll nun ihr “ernstes” Leben auflockern. Zuweilen führt dies zu seltsam-komischen Momenten zwischen Winfried und Ines, die aber am Ende doch alle sympathisch und lustig/schräg sind.

Trotzdem entließ mich der Film mit einem: “Hmm, wars das jetzt”-Gefühl. Es war wahrscheinlich ein klassischer Fall, von viel zu hohen Erwartungen, die der Film schlussendlich nicht erfüllen konnte – einmal aufgrund langen Spieldauer und zudem aufgrund des etwas seltsamen Humors. Aber wenn etwas hängengeblieben ist, dann ist es, dass ich froh bin, niemals in eine Unternehmensberatung gegangen zu sein.

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